Herr Kämper empfiehlt
So erzählt man von der Liebe!
Max stellt künstliche Augen her. Er ist Okularist.
In seiner Praxis, über der Flamme des Bunsenbrenners, formt er feine Glaskugeln, versieht sie mit farbigen Äderchen, Iris und Pupille.
Max weiß von der stillen Sprache der Blicke.
An den Blitzschlag der Liebe aber glaubt er mit Anfang sechzig
nicht mehr. Bis er eines Sommerabends Anna begegnet
und ihn die Gefühle in ungekannter Wucht überwältigen.
Anna geht es genauso, doch sie ist verheiratet, und so bleiben
den beiden immer nur Tage, das zu leben, was nicht sein darf.
Und immer sind da die Erinnerungen, die Träume, die Schatten.
Das stürzt Max in Verzweiflung, denn er weiß,
er hat seine große Liebe gefunden.
Und er ahnt, dass sie ihn auf eine unheimliche Probe stellen wird.
Thomas Hettche
Liebe
Kiepenheuer & Witsch Verlag
Gebunden, 176 Seiten
22€
Frau Schunz empfiehlt
Berlin, in den 1940er Jahren...
Martha hat gerade ihre Ausbildung zur Kontoristin abgeschlossen und tritt eine Stelle als Hausbesorgerin in einem Mietshaus
in Berlin-Schöneberg an.
Sie ahnt nicht, dass sie von nun an dem Haus ein Leben lang verbunden sein wird. Die neue Aufgabe verlangt der jungen Frau einiges ab, doch mit ihrem resoluten Charme führt sie bald ein strenges Regime über die Hausbewohner,
die unterschiedlicher nicht sein könnten:
der Nudist Klampkin mit seinem aufmüpfigen Papagei,
der feine Herr Hutschenreuter und die alte Putti Levin,
nie um ein Wort verlegen.
Am liebsten ist Martha jedoch die kleine Tochter des Hausbesitzers Henry Berkowitz. Immer inniger wird die Beziehung zwischen dem Mädchen Liane und der sonst eher spröden Hausbesorgerin,
auch dann noch, als sich um sie herum die Zeiten verdunkeln,
Hitler an die Macht kommt und ein Krieg ausbricht.
Als eine von ihnen in die Fänge des Regimes gerät, steht für die andere die Welt still.
Shelly Kupferberg
Stunden wie Tage
Diogenes Verlag
Gebunden, 272 Seiten
25€
Herr Kämper empfiehlt
Eine Frau kämpft um ihr Erbe –
und um das ihrer jüdischen Familie.
Altes Zeug, im besten Fall ein Erinnerungsstück –
mehr erwartet Amira nicht, als sie die Tür zum Lagerraum
ihres verstorbenen Großvaters in Berlin-Moabit aufstößt.
Aber dann steht sie vor der seit dem Zweiten Weltkrieg verschollen geglaubten Kunstsammlung ihrer jüdischen Familie.
»WTF!«, denkt Amira und macht erstmal eine Insta-Story. Und jetzt?
Soll Amira die Kunstwerke einem Museum schenken oder an einen Oligarchen verkaufen? Darf sie sie einfach behalten?
Und können alle, die ihr da reinquatschen wollen, bitte mal still sein! Als Zweifel aufkommen, ob die Sammlung auf legalem Weg
zu ihrem Großvater zurückgelangte,
muss plötzlich Amira sich rechtfertigen.
Ein atemlos erzählter, messerscharf beobachteter Roman über eine junge Frau, die einen Weg finden muss durch das Chaos
(hebr. ›Balagan‹), das die deutsch-jüdische Geschichte im Allgemeinen und ihre Familie im Besonderen ihr hinterlassen hat.
Mirna Funk
Balagan
dtv Verlag
Gebunden, 368 Seiten
25€
Frau Schunz empfiehlt
Zwei Weltkriege und ein Jahrhundert.
Norbert Gstrein schenkt uns ein ganzes Menschenleben.
Dabei ist jedes Leben zerbrechlich in diesem Roman, der mit einem Axthieb beginnt: Adrians Vater macht ihn als Jugendlichen untauglich für den Ersten Weltkrieg, rettet ihn so vielleicht.
Der störrische, zärtliche Mensch, der von da an durch über achtzig Lebensjahre hinkt, ist das Wunder dieses Erzählens.
Adrian sieht zweimal seine Welt untergehen, hat zweimal mit jungen Männern zu tun, die weniger Glück hatten als er, und erlebt
im Alter die unverhoffte Liebesgeschichte eines Mannes,
der zu allem erzogen wurde, bloß nicht zum Lieben.
Wie leben im Schatten der Kriege und des Tötens?
Mit einem furchtlosen Blick in die Vergangenheit stellt sich »Im ersten Licht« dieser großen Frage der Gegenwart.
Norbert Gstrein
Im ersten Licht
Hanser Verlag
Gebunden, 416 Seiten
27€
Frau Pietrowsky empfiehlt
Ein eindringlich atmosphärischer Roman.
Das Jahr ist 1899.
Als das neue Jahrhundert anbricht, heiratet der englische Schriftsteller Evelyn Dolman – ein Schreiberling, wie er selbst sagt –
Laura Rensselaer, die Tochter eines amerikanischen Ölmagnaten. Evelyn hofft, dass er und Laura ein beträchtliches Vermögen erben werden und so ein bequemes, geregeltes Leben führen können.
Doch seine Hoffnungen werden enttäuscht,
als ein mysteriöses Zerwürfnis zwischen Laura und ihrem Vater,
kurz vor dem Tod des Patriarchen, zu ihrer Enterbung führt.
Das unglückliche Ehepaar reist nach Venedig,
um das neue Jahr im Palazzo Dioscuri zu feiern,
dem Stammsitz des charmanten, aber zwielichtigen Grafen Barbarigo. Von der ersten Minute an häufen sich im Palazzo
unerklärbare und unheimliche Ereignisse.
Evelyns ohnehin schon strapazierte Nerven liegen blank:
Könnte es am Nebel liegen,
der die schwimmende Stadt umhüllt,
oder verliert er den Verstand?
John Banville
Schatten der Gondeln
Kiepenheuer & Witsch
Gebunden, 384 Seiten
25€
Herr Kämper empfiehlt
Einer der berühmtesten Abenteuerromane
der Literaturgeschichte, in neuer Übersetzung zu entdecken.
Der Waisenjunge John Trenchard wächst in einem Schmugglernest namens Moonfleet auf. Die Leute im Dorf erzählen sich,
der Kirchhof werde vom Geist des berüchtigten Colonel Mohune heimgesucht, der dort vor seinem Tod einen Schatz versteckt hat.
Durch einen Zufall entdeckt John die Familiengruft der Mohunes,
die auch Schmugglern als Versteck dient.
Im Sarg des Colonels findet er ein Amulett mit einem rätselhaften Pergament, von dem er sich Aufschluss
über den Verbleib des Schatzes erhofft.
Zusammen mit Elzevir Block,
dem Anführer der Schmugglerbande, macht er sich auf,
den Schatz zu heben.
Aber ihr tollkühner Plan birgt manche Gefahr
und mehr als einmal setzen die beiden ihr Leben aufs Spiel.
John Meade Falkner
Moonfleet
Unionsverlag
Kartoniert, 352 Seiten
15€
